BITKOM: ERP-SYSTEME WERDEN ZU DIGITALEN PLATTFORMEN

Zur Industriemesse hat der Hightech-Verband Bitkom ein aktualisiertes Positionspapier zu Entwicklungen und Trends im ERP-Umfeld insbesondere mit Blick auf die Entwicklungen im Cloud Computing und im Internet der Dinge verfasst. Zentrale Aussage darin: ERP-Systeme entwickeln sich zu Online-Plattformen, die offen sind für Apps und Add-ons Dritter. Damit, so die Prognose, beschleunigt sich die Weiterentwicklung der ERP-Plattformen durch die Dynamik einer offenen Entwicklergemeinde. ERP-Anbieter übernehmen dabei mehr und mehr die Praktiken und Vermarktungsmethoden, die man bereits bei Open Source-Angeboten kennt.

Das hat Auswirkungen auf die Strategien von Anwendern und Anbietern gleichermaßen. Während Anbieter zunehmend Lösungen aus der Cloud offerieren und dabei ihr Geschäftsmodell umstellen, haben Anwender die Chance, künftig mit weniger Integrationsaufwand zusätzliche Anwendungen zu integrieren. Wie bereits bei App-Stores oder dem Online-Angebot des CRM-Anbieters Salesforce gewohnt, können demnach Entwickler eigene Apps und Zusatzlösungen über eine offene Entwicklungsplattform an das Cloud-basierte ERP-System anflanschen. Die Integration erfolgt über APIs, die sowohl Entwicklern als auch Anwendern zur Verfügung gestellt werden.

Anbieter müssen ihre Geschäftsstrategien bei der Umstellung auf digitale Plattformen gleich doppelt anpassen. Einerseits werden Cloud-basierte Lösungen stärker nutzungsabhängig bezahlt. Damit entfallen die Einmallizenzen. An ihre Stelle treten sich regelmäßig wiederholende Mietzahlungen oder Usage-Fees. Zweitens aber müssen sie ihre monolithischen Unternehmenslösungen aufbrechen und gegenüber Drittangeboten öffnen. Das führt einerseits zu einer schnelleren Erweiterung des bestehenden Lösungsangebots, andererseits ist aber auch mehr Wettbewerb auf der eigenen Plattform denkbar. Aus Anwendersicht entwickeln sich die digitalen ERP-Plattformen zu einer Lösungs-Mall, in der die optimalen Funktionsbausteine sowie branchenspezifische Besonderheiten ausgewählt und zusammengestellt werden können.

„Digitale Plattformen entstehen in allen Märkten und Branchen“, stellen die Bitkom-Autoren fest. „In den Endkunden-Märkten (Business-to-Consumer, B2C) sind Apple und Amazon bekannte Beispiele. Aber auch im Geschäftskundensegment (Business-to-Business, B2B) entwickeln sich bestehende Strukturen und -mechanismen hin zu einer Plattform-Ökonomie. Zwar haben sich hier im Vergleich zum B2C-Segment noch keine klar erkennbaren Marktführer etabliert. Doch angesichts des offensichtlichen Potenzials entstehen derzeit auch im B2B-Umfeld viele neue Plattformen, wie beispielsweise Trumpf mit AXOOM, die IoT-Plattform von Bosch Software Innovations oder die Plattformen von ERP-Anbietern wie Microsoft und SAP.“

Das Center for Enterprise Research am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Prozesse und Systeme, der Universität Potsdam hat bereits im vergangenen Jahr im Wettbewerb zum „ERP-System des Jahres“ den Trend zur Plattform-Ökonomie untersucht. Für das Jahr 2018 beginnt die Bewerbungsfrist in wenigen Tagen. Mehr Informationen finden Sie unter: https://system-des-jahres.de/